Die digitale Bildbearbeitung mit Photoshop CC

Habe ich ein oder mehrere gute Bilder “im Kasten”, geht es an die Retusche. Hier wird mit dem Model zusammen festgelegt, welche(s) Bild(er) retuschiert wird bzw. werden. Hierbei geht es mir nicht darum, so viele Bilder wie möglich zu bearbeiten: Hierbei bleibt die Qualität auf der Strecke. Solche Fotos sieht man täglich im Social-Web; es sind Fotos, die man schnell wieder vergisst. Das möchte ich nicht.

Retuschiert werden maximal 2 – 3 Fotos aus einem Shooting. Dabei nehme ich mir sehr viel Zeit, um das Bild zu analysieren, zu bearbeiten, zu colorieren und für die Veröffentlichung vorzubereiten. Der Verwendungszweck (Web, Print, Großflächendruck), der Grad der Retusche (Portrait, Beauty, Fashion etc.) wird festgelegt, die Methoden (Reparieren, Stempeln, Dodge & Burn, Aufhellen, Abdunkeln, Färben etc.) und der finale Look wird besprochen.

Diese Retusche umfasst meistens:

  • Hautbereinigung (Flecken, Pickel, Narben und Falten)
  • Bearbeitung von gewünschten Partien wie z.B. Augen, Nase, Mund, Ohren, Stirn, Hals, Kleidung
  • digitales Make-Up
  • Gestaltung im gewünschten Bildlook (schwarz-weiß, Colorlook, Colorkey etc.)
  • Nachbearbeitung für Web und Print

Ich retuschiere nach dem Motto: So wenig wie möglich, so viel, wie nötig. Eine gute Retusche ist es, wenn man hinterher nicht sieht, dass das Bild bearbeitet wurde. Natürlich funktioniert das nur, wenn man das Vorher nicht kennt ;)

Ein Beispiel Vorher / Nacher

An diesem Portrait möchte ich euch zeigen, was alles möglich ist. Hier das Ausgangsfoto und die finale Retusche mit Farblook.

Die Haut

Zuerst wird die Haut “aufgeräumt” – kleine Mäkel wie Narben, Flecken oder unsaubere Poren werden weggestempelt. Dabei ist es wichtig, die Hautstruktur nicht zu zerstören, um das natürliche Hautbild zu erhalten.

Ich verzichte hierbei bewußt auf die allseits beliebte Frequenztrennung (FT). Damit wäre ich zwar schnell mit dem Bild fertig, allerdings funktioniert die FT nur auf einer Zoomstufe von 100%. Scrollt man sich aus dem Bild heraus, wirkt die Haut dann matschig, weichgezeichnet und nicht mehr natürlich. Das ist nicht mein Anspruch. Bilder, die mit der FT bearbeitet wurden, sollten sich auch nicht HighEnd bezeichnen, da dieses sogenannte Abpudern mehr oder weniger “dahingeklatscht” ist. Ausnahmen hier würde ich lediglich an Armen und Beinen machen, da allerdings auch nicht zu 100%.

Abschließend kann man der Haut noch mehr Plastizität verleihen durch Contouring-Anpassungen mittels Dodge & Burn. Hierbei werden helle bzw. dunkle Bereiche im Gesicht aufgehellt bzw. abgedunkelt.

Die einzelnen Gesichtspartien

Hat man die Haut fertig retuschiert, sind die einzelnen Gesichtspartien an der Reihe. Hier gibt es meist viel zu erledigen:

  • Härchen entfernen bzw. auffüllen
  • Falten abmildern (nicht entfernen)
  • Farbprobleme beheben (z.B. Adern, Flecken etc. anpassen)
  • Augenbrauen / Haare hinzufügen bzw. entfernen
  • Schatten/Lichter mittels Dodge & Burn anpassen
  • Äderchen, blaue Flecken entfernen
  • überflüssiges MakeUp oder wenn gewünscht Piercings, Ohrringlöcher, Tattoos entfernen.

Im gleichen Schritt kann man hierbei schon Farbanpassungen, wie z.B. die Augenfarbe, vornehmen oder den einzelnen Partien (Nase, Lippen, Pupillen) durch Anpassung von Licht und Schatten, mehr Form geben. Abschließend wird, wenn gewünscht, die Kleidung angepasst: Fusseln entfernen, Glätten, Farben anpassen oder komplett verschwinden lassen.

Digitales MakeUp

Im nächsten Schritt kann digitales MakeUp aufgelegt werden. Was kann verändert werden? So ziemlich alles, wenn es passt: Lippenstift, Liedschatten, Rouge, Wimpern, Haarfarbe, Hautton oder das Färben der Kleidung. Allerdings gibt das Bild die Bearbeitung vor. Nicht zu jedem Foto passt eine “totale” Veränderung. Bei einem Portrait steht die Person im Vordergrund, so wie du sie beim Fotografieren gesehen hast. Markante Merkmale, wie z.B. Leberflecken oder Lachfalten sollten deshalb erhalten bleiben.

Handelt es sich um ein Beauty- bzw. Fashionfoto, steht z.B. der markant wirkende Lippenstift oder ein bestimmtes Kleidungsstück im Vordergrund. Hier darf man auch etwas mehr “wegretuschieren”. Allerdings wird hierdurch die Person ersetzbar; es dreht sich nicht mehr um den Menschen auf dem Bild sondern um das Betonen der jeweils abgebildeten Sache.

Hier mal ein Beispiel, wie ich bei diesem Portrait die Lippen digital nachbetont habe.

Farblook & Colorierung

Goethes Farbkreis
Der Goethe Farbkreis ist bereits 200 Jahre alt. Quelle dw.com

Um das Bild “rund” zu machen, wird abschließend mit Farbe(n) gearbeitet. Hierbei coloriere ich gern nach dem Farbkreis von Goethe.

Mehrere Farbschematas stehen zur Auswahl: monochromatisch, komplementär oder trichromatisch. Um der Arbeit einen harmonischen Bildlook zu geben ist es bereits vor dem Fotografieren wichtig, die Farben mit Bedacht auszusuchen. Z.B wirkt bei Komplementärfarben wie ein rotes Kleid auf grüner Wiese oder ein gelbes Kleid vor blauem Himmel ein Bild sehr harmonisch.

Gern sind Arbeiten in schwarz/weiß gewünscht, was ich natürlich auch realisieren kann. Da hier die komplette Farbinformation fehlt, arbeite ich mit mehr Kontrasten. Aber seht selbst …